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Bericht der Vorstandschaft

Bernd G. Weber Liebe Mitglieder, Abteilungs- u. Übungsleiter, hauptamtliche Mitarbeiter, liebe Freunde der VTH 1895 daheim und in der Ferne,

ein neuer, 54. Jahrgang der VTH-Nachrichten geht mit dem ersten Heft, der mittlerweile 9. Corona-Ausgabe, an den Start ins dritte (!) Corona-Jahr. Dank gilt den bisherigen, aber natürlich auch den neuen Inserenten, die das Erscheinen unserer kleinen Zeitschrift ermöglich(t)en. Dank gilt aber ebenso den Unternehmen, die mit Bandenwerbung in der Sporthalle den Verein unterstützen. Viele Unternehmer halten uns seit vielen Jahren die Treue. Zu allen bestehen häufig sehr gute persönliche Kontakte, weil die Akquise seit langem in wenigen Händen liegt. Früher war hier auch Günter Bausch, Ehrenvorsitzender der VTH, sehr rührig. Seit seinem Tod obliegt dies ausschließlich mir. Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, dass jemals ein Mitglied sich als erfolgreicher Anwerber hervorgetan hätte. Nach Möglichkeit haben wir bei der evtl. Auftragsvergabe (Baumaßnahmen, Reparaturen, Beschaffungen) stets im Gegenzug unsere Inserenten zuvorderst berücksichtigt.

53 abgeschlossene Jahrgänge haben seit 1969 (!) unsere Mitglieder und viele Adressaten darüber hinaus über das Geschehen inner- und außerhalb des Vereins informiert. Die VTH-Nachrichten haben längst einen hohen Aufmerksamkeitswert erreicht. Von der ersten Ausgabe an bin ich seit über 50 Jahren ein regelmäßiger Schreiber von Artikeln, die oft zu gewünschten Diskussionen anreg(t)en.

Seit meinem Wirken als Vorstandsmitglied der VTH (ab 1974) habe ich die Zeitschrift auch als Grundlage für die Vereins-Chronik gesehen, weil es im Verein leider schon sehr lange keinen Chronisten mehr gibt, der die Geschichte der VTH in tabellarischer oder Textform niederschreibt. Von Anfang an werden deshalb mehrere Ausgaben der VTH-Nachrichten in öffentlichen Bibliotheken archiviert und somit gesichert der Nachwelt erhalten. Die Deutsche Nationalbibliothek (DNB) mit ihren Standorten Leipzig und Frankfurt am Main hat die gesetzliche Aufgabe, alle deutschen und deutschsprachigen Medienwerke in Schrift, Bild und Ton ab 1913 zu sammeln, dauerhaft zu archivieren, bibliografisch zu verzeichnen sowie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Deshalb weist das Gesetz über die DNB v. 22. Juni 2006 (BGBL. I S. 1338) alle Verleger und sonstigen publizierenden Stellen und Personen in Deutschland an, je zwei Exemplare ihrer Neuerscheinungen unaufgefordert innerhalb einer Woche nach Erscheinen auf eigene Kosten an die DNB abzuliefern:

Die Standorte der DNB tauschen nach Bearbeitung jeweils das Zweitexemplar untereinander aus. (www.dnb.de)

Auch das Stadtarchiv Karlsruhe, unsere diversen Fachverbände werden von uns versorgt. Dies alles machen wir auch, weil unser (Vorgänger-) Verein im zweiten Weltkrieg beim Luftangriff auf Hagsfeld 1944 schmerzlich erfahren musste, dass sein gesamtes Inventar vernichtet wurde und deshalb keinerlei Unterlagen aus früheren Jahren mehr zur Verfügung stehen.

Das Jahr 1848 war ein besonderer Meilenstein in der deutschen Vereinsgeschichte, denn das Vereinsrecht wurde von der Nationalversammlung als Grundrecht anerkannt. Dies bezeichnet damals schon das Recht der Staatsbürger, sich zur Verwirklichung gemeinsamer Ziele zu vereinigen (Vereinigungsfreiheit), und ebenso das Recht der freien Versammlung (Versammlungsrecht). Knappe 50 Jahre später, 1895, ist das Ursprungsdatum unserer Vereinsgründung des Turnvereins, allerdings noch in einer monarchisch geprägten Zeit. 1949 wurden im Grundgesetz u. a. auch diese wichtigen Rechte in Artikel 8 und 9 formuliert.

Wer die Muße hat, kann unsere Chronik im Internet lesen und dabei feststellen, warum die VTH so und nicht anders ‚tickt‘. Das gemeinsame Ganze war im Turnverein stets das oberste Ziel, hinter dem Einzelinteressen von Gruppen, Abteilungen/Sportarten zurückstehen mussten. Nur gemeinsam sind wir stark! Die Lektüre der Chronik empfehle ich deshalb jedem Neu-Mitglied, um zu erkennen, wo diese traditionsreiche Vereinsgemeinschaft herkommt und wie sie sich über die Jahrzehnte entwickelt hat.

Was in der Zeit seit der Wiedergründung 1949 – vier Jahre nach Kriegsende - geschaffen wurde, gilt es zu erhalten, auszubauen und auf eine gesicherte Zukunft auszurichten. Manchen zeitgeistlichen Strömungen und Turbulenzen war der Verein in über 125 Jahren ausgesetzt; er hat sich aber stets besonnen auf solidem Fundament weiterentwickelt. Dafür habe auch ich ein Quäntchen in 48 Jahren beitragen dürfen. Dies alles ist ab 1969 öffentlich nachzulesen.

Folgende Schriftleitungen/Redaktionen haben die Herausgabe ermöglicht:
Redakteure der VTH-Nachrichten

Mai

1969 bis Januar

1977

Edgar Ludwig

Februar

1977 bis Februar

1980

Uwe Peter Lang

April

1980 bis Februar

1985

Annemarie Leschikar

März

1985 bis Dezember

1985

Jürgen Pallmer

Januar

1986 bis Juni

1989

Karl-Heinz Thesen

Juli

1989 bis Juni

1992

Reinhold Schlimm

Juli

1992 bis Dezember

1992

Karl-Heinz Thesen

Januar

1993 bis Dezember

2009

Manfred Reeb (ab 25.Jahrgang)

Januar

2010 bis

heute

Jörg Böckle (ab 42. Jahrgang)

Diesen Mitgliedern danke ich ganz besonders, weil sie sich mit viel Engagement der redaktionellen Arbeit angenommen haben.

Nach über zwei Jahren mit Corona-Verordnungen, mit denen wir manchmal fassungslos konfrontiert wurden, bleibt die Hoffnung, dass die Entscheider endlich etwas dazugelernt haben und uns wieder in ruhigere Fahrwasser leiten können. Irrungen und Wirrungen haben unsere Mitglieder betroffen, unseren Pächter der Hagsfelder Stuben an den Rand des Ruins geführt. Wenn wir als Verpächter nicht wären und helfen würden, dann … wäre Ende angesagt. Nur mit unserer Hilfe (VTH) hat er bis jetzt dieser Existenzkrise (vorläufig) entrinnen können. Noch ist aber diese Krise nicht zu Ende. Vollmundige staatliche Zusagen der Unterstützung (‚Bazooka‘) wurden (nach den Wahlen) zurückgenommen, einst ohne Vorbehalt zugesicherte und geleistete Zuschüsse zurückverlangt.

In diesem Jahr läuft wohl manche Sondergesetzgebung aus. Der Deutsche Bundestag hat im März 2020 das Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Zivil-, Insolvenz- u. Strafverfahrensrecht verabschiedet. Dieses sieht unter anderem vor, dass Beschlüsse auch ohne Versammlung der Mitglieder auf schriftlichem Weg oder auf dem Weg der elektronischen Kommunikation gefasst werden könnten. Das gilt sinngemäß auch für Abteilungs-, Turnrat-Sitzungen und Jahreshaupt-versammlungen der VTH. Zur JHV haben wir bisher – seit 1969 – stets schriftlich über die VTH-Nachrichten eingeladen und tagten letztmals am 5. April 2019 (Berichtsjahr 2018) im Saal der Hagsfelder Stuben/kleine Sporthalle. Dies wollen wir satzungsgemäß - ohne Corona-Diktat - auch so beibehalten und hoffen optimistisch, dass spätestens in diesem Jahr 2022 die überfällige JHV (Berichtsjahre 2019, 2020, 2021 mit Wahlen und ggf. Ehrungen) als normale Präsenzveranstaltung stattfinden kann. Die auf der JHV vom 28. April 2018 bzw. 5. April 2019 satzungsgemäß gewählten Personen bleiben nach Möglichkeit in Übereinstimmung mit der „Verordnung zur Verlängerung von Maßnahmen im Gesellschafts-, Genossenschafts-, Vereins- und Stiftungsrecht zur Bekämpfung der Auswirkungen der Covid-19-Pandemie (GesRGenRCOVMVV)“ einstweilen im Amt.

Die JHV 2022 wird für mich persönlich und andere Funktionsträger von großer Bedeutung sein, weil das Lebensalter manchen Mitgliedern die Entscheidung für ein weiteres Engagement schwer machen dürfte. In dieser Ausgabe finden Sie eine - nicht abschließende - Übersicht der wichtigsten Aufgabenbereiche, um die sich unsere Verwaltung kümmern muss. Dies ist das sogen. Pflichtenheft, dem sich z. B. der Vorstand als gesetzlicher Vertreter des Vereins und seine beauftragten Mitarbeiter zu stellen haben, um das Amt gewissenhaft zu erfüllen. Ob die langjährigen Ehrenamtlichen in der Geschäftsstelle (Andreas Bellm/Dipl.-Inf., Alexander Besserer/Bankkaufmann, Marion Kaltenmaier/Dipl.-Kfr, Heike Weber/Dipl.-Vw, Bernd G. Weber/Vers.-Kfm. u. Dipl.-HdL) sich noch einmal für weitere zwei Jahre zur Wahl stellen, ist derzeit (noch) nicht sicher. Die erste Sitzung des Turnrates sollte diesbezüglich vorab klären, mit wem es künftig an verantwortlicher Stelle weitergehen soll und welche (Fest-) Aktivitäten von wem zuverlässig geplant und durchgeführt werden.

Wie in vielen Bereichen, benötigt ein Kandidat einige Jahre Zeit, Fleiß und Muse, um sich in diese Aufgabengebiete einzuarbeiten. Eine gewisse ‚Lehrzeit‘ sollte man jedem zubilligen. Ein nur kurzzeitiges Engagement wäre schädlich; Kontinuität sollte das Ziel sein. Viel Wissen haben wir in den Jahrzehnten angesammelt und dokumentiert, um den Transfer an Nachfolger zu ermöglichen. Eine weitere Übersicht in diesem Heft zeigt die derzeitigen Mitglieder des Turnrates und lässt sofort erkennen, wo bereits Personallücken bestehen, die dringend behoben werden sollten. Ließen sich Aufgaben auf viele Schultern verteilen, wäre die Arbeit für alle etwas leichter.

Große Aufgaben-Bereiche haben wir seit Jahren hauptamtlich gelöst: zwei Hausmeister stehen werktäglich im Schichtbetrieb in unseren Diensten. Die Personalaufsicht ist für die VTH als Arbeitgeber eine tägliche Herausforderung. Jeder, der mit Personalführung zu tun hat, weiß um diese Problematik. Wäre der Verein in der Lage, sich auch einen haupt-/nebenberuflichen Geschäftsführer zu leisten? Derzeit noch nein. Dazu müsste der mittelgroße Verein seine Mitgliederzahl steigern, Beiträge anheben, um diese Stelle zu finanzieren. Eine seit Jahren überfällige Beitragsanpassung kann erst ab 2023 erfolgen, da dies die JHV 2022 beschließen müsste. Eine rückwirkende Beitragserhöhung ist nicht vorgesehen.

Eine Möglichkeit sehe ich vorzugsweise bei einem qualifizierten Sportlehrer/Vereinsmanager (mit Lizenzen), der im Rahmen der Tätigkeit (als Geschäftsführer) Übungseinheiten, Organisations-, Verwaltungstätigkeiten, Redaktion, Öffentlichkeitsarbeit, Akquise und die notwendige tagtägliche Personalaufsicht unserer ÜL, Trainer, Hausmeister übernähme. Diese dotierte Stelle könnte zur gewünschten Entlastung der ehrenamtlichen Vorstandschaft führen. Der Vorstand nach § 26 BGB wäre nach wie vor der gesetzliche Vertreter des Vereins, der Schatzmeister ‚Wächter‘ über das Vereinsvermögen. Mit genau bestimmten Vollmachten für den Geschäftsführer ließe sich das alles sauber regeln.

Die Corona-Wirren haben gezeigt, wie wichtig es ist, dass jemand nahezu täglich (am besten vor Ort) organisatorisch regulierend eingreifen kann. Mir oblag oft die alleinige spontane ‚Fernsteuerung‘ mittels WhatsApp, Mail, Mobiltelefonie. Das ist der Grund, warum das HM-Büro mit einem eigens dazu angeschafften HM-Telefon auch außerhalb der Sporthalle erreichbar sein muss. Nur über diesen Anschluss sollten auch die AL/ÜL bei Bedarf bzgl. sportlicher Abläufe mit den HM kommunizieren. Termine und Belegzeiten müssen allerdings stets über die Geschäftsstelle vereinbart werden, insbesondere, wenn sich dies auf kostenverursachende Arbeitszeiten der HM bezieht.

Verrückte Dinge spielten sich in den letzten beiden Jahren 2020/21 ab. Zu Beginn der Corona-Zeit fand im Einzelhandel ein Run auf Artikel statt, über deren Wichtigkeit man sich nur wundern konnte: z. B. war Klo-Papier heiß begehrt! Offensichtlich wollte man sich mit Klo-Papier über die Krise retten? Anfangs war Impf-Tourismus angesagt: in meiner Familie stellte sich das so dar, dass ich im Kurhaus Baden-Baden, meine Frau in Pforzheim, meine Mutter in Bruchsal-Heidelsheim vorgemerkt waren. Mannheim, Heidelberg, Stuttgart, Offenburg waren Stationen von unseren Bekannten.

Die ausgeprägte Geldgier mancher Politiker (Philipp Amthor, Karl-Theodor zu Guttenberg, Georg Nüsslein, Alfred Sauter u. a. m.). ließ tiefe Zweifel an unseren Mandatsträgern aufkommen.
‚Das Schließen der Impfzentren war ein klarer Fehler‘ (Zitat Landrat Schnaudigel). Wir im Verein waren oft unschlüssig, welche Maßnahmen denn nun (wieder einmal) über Nacht gelten sollten. Teststationen in klapprigen Holzbuden schossen kürzlich ab Dezember wie Pilze aus dem Boden. Viele witterten dabei ein schnelles Geschäft, bei dem man flugs große Kasse machen konnte. Die BNN berichteten, dass auf der Kaiserstraße gefühlt alle 50 m eine Teststation eingerichtet wurde.

Mit neuen Wortschöpfungen wurden wir konfrontiert: mit Denglisch (she. hierzu im Info-Brief v. 23.01.2022/Verein Deutsche Sprache) „Boostern“ ist so falsch wie „browsern“ In einem Leserbrief in der Rheinischen Post geht es um das englische Wort „booster“ (auf Deutsch: Verstärker, Zusatztriebwerk), welches derzeit als Verb vermutlich zu einem der häufigsten Anglizismen im Deutschen gehört und auch auf der Vorschlagsliste für das Unwort des Jahres stand. Abgesehen davon, dass „nachimpfen“ oder „Impfung auffrischen“ treffender wäre, macht der Leserbrief-schreiber darauf aufmerksam, dass die ins Deutsche übertragene Form „boostern“ falsch ist, sie ist von dem englischen Verb „to boost“ abgeleitet. Wenn schon Denglisch, müsse es richtigerweise heißen „ich bin geboostet“ oder „heute lasse ich mich boosten“. Sogar im besten Denglisch sage man nicht „ich browsere im Netz“, sondern „ich browse“ oder eben auch nicht „ich werde gestalkert“, sondern „ich werde gestalkt“. Hier zeigt sich wieder mal, dass englisch-süchtige Deutsche nicht davor zurückschrecken, englische Wörter (hier das Substantiv booster) in eine im Englischen nicht existente (und unsinnige) Verbform zu zwingen. Anmerkung: Eine derart gedankenlose Hingabe zur vermeintlichen Weltsprache vermindert die hierzulande ohnehin weit überschätzte Englischfertigkeit. Mit Stummel-Englisch ist jedenfalls kein Blumentopf zu gewinnen, geschweige denn Weltläufigkeit.

Weitere Beispiele für andere denglische Begriffe: wie Public Viewing bedeutet eigentlich (im amerikanischen Englisch) öffentliche Aufbahrung, also Leichenschau, das Handy wird korrekt stets als Mobile Phone bezeichnet und beim Home Office handelt es sich um das englische Innenministerium. Tatsächlich sprechen Engländer und Amerikaner auch nicht von «Home Office», ein Begriff, der mittlerweile in der Schweiz und Deutschland zum normalen Sprachgebrauch gehört. Statt «I am doing home office» sagen Englischsprechende nach meiner Kenntnis schlicht und einfach «working from home», also Arbeit von zu Hause aus bzw. Heimarbeit.

Corona hat bei uns auch zu spürbaren Einnahmeverlusten geführt, die Zahl der Mitglieder stagniert. Dass wir dennoch noch nicht in Zahlungsschwierigkeiten geraten sind, ist unseren Rücklagen zu verdanken. Diese Rücklagen sind für Investitionen in unsere Immobilien, Sportausstattung gebildet, sind aber endlich.

Aber nicht nur bei uns werden Funktionsträger gesucht: Sport in BW (ehemals Sport in Baden), die Zeitschrift von vier Sportverbänden (Badischer Sportbund/BSB Nord, Badischer Sportbund Freiburg, Landessportverband BW, Württembergischer Landessportverband/WLSB) titelt in der Ausgabe 1/2022: „Der nächste Sportbundtag des Badischen Sportbundes Nord e. V. findet am 25. Juni 2022 im Best Western PLUS Palatin Kongresshotel in Wiesloch statt. Bitte merken Sie sich den Termin vor!

Es wird u. a. der Präsident für den BSBN gesucht. Obwohl die Wahl noch ein Weilchen Zeit hat, wird öffentlich seit Monaten im Vorfeld bereits vorab ein Kandidat gehandelt. Auch Interviews deuten schon in eine bestimmte Richtung. Die BSB-Präsidenten ab 1974 (Theo Gießelmann/12 Jahre, Anton Häffner/12, Peter Speckert/3, Heinz Janalik/15, Martin Lenz/6) leisteten ihren ehrenamtlichen Beitrag zur Kontinuität des Sportbundes. Seit Jahren nehme ich als Delegierter am Sportbundtag teil; insofern sind mir diese Persönlichkeiten allesamt bekannt.

Natürlich ist die Position des Präsidenten im BSBN attraktiver als die des Vorsitzenden der VTH, aber dennoch bin ich immer wieder bemüht, die Nachfolge auf der Leitungsebene unseres Vereins harmonisch in die Wege zu leiten. Man denke bitte, dass ich bald 71 Jahre sein werde, seit 1974 im Vorstand tätig bin und seit 1980 den Vorsitz innehabe. Eine lange Zeit verlässlicher Kontinuität hat mit meinen Vorstandskollegen, dem Turnrat, zu nachweisbarer Entwicklung des Vereins geführt. Man möge mir deshalb gestatten, dass ich mich erneut/wiederholt um die Nachfolge kümmere. Zuviel stünde auf dem Spiel, wenn es hier zu keiner Lösung käme. Für den Verein, aber auch für unsere Partner (Firmen, Institutionen, Schulen, Vereine).

Eine große Aufgabe wird auch sein, die rasant steigenden Energiepreise in den Griff zu bekommen. Energetische Einsparmaßnahmen haben wir längst mit energieeffizientem Bau und Betrieb (überall LED-Lichttechnik, Luft-Wärmepumpe Tennis) realisiert und ausgeschöpft. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Karlsruhe, Michael Homann, sagt hierzu in den BNN, 19. Februar: Wir wollen diese Erhöhung nicht, aber auch hier explodieren die Einkaufspreise. Dennoch hoffen wir auf eine politische Reaktion. Es gäbe durchaus Möglichkeiten, schließlich sind weit über 50 Prozent des Endkundenpreises Abgaben und Steuern wie die Mehrwertsteuer, die Energiesteuer oder die EEG-Umlage. Dazu kommen CO²-Zertifikate, über deren Verkauf der Bund 12 Milliarden eingesammelt hat. Es war angekündigt, dass das Geld nicht in der Kasse bleibt, sondern beispielsweise für Entlastung sorgt.“ Dann warten wir mal ab, ob’s so kommen wird. Unsere letzte Gasrechnung für die Zeit 23.12.2021 bis 26.01.2022 (Hallenferien 24.12.-01.01) über 4.718,15 € entspräche nach der angekündigten Preiserhöhung demnächst ca. 7.000 €! Da bleibt jedem Vorstand die Luft weg.

Auf die Verwaltung warten spannende Aufgaben. Über viele Jahre hinweg waren wir mit Baumaßnahmen in Beschlag genommen. Unser Immobilienbesitz zeugt davon. Hier schlummern aber auch die Ursachen für künftige Großinvestitionen. Zur Chronologie:

Nach diesen umfangreichen Texten beende ich meine Ausführungen mit den besten Wünschen zum neuen Jahr 2022 mit dem zutreffenden Zitat:

Es ist nicht gesagt, dass es besser wird, wenn es anders wird. Wenn es aber besser werden soll, muss es anders werden. (Georg Christoph Lichtenberg, (* 1. Juli 1742 in Ober-Ramstadt bei Darmstadt; † 24. Februar 1799 in Göttingen) war ein deutscher Mathematiker, Physiker und Aphoristiker.

Für Bewegung, Fortschritt, Veränderung, Kooperation sind wir immer offen. Deshalb gilt mehr denn je unser einprägsames Motto:

seit 1895 in Bewegung!

Das beweisen wir alltäglich – auch in Corona-Ausnahmezeiten. Wer will dabei mithelfen?

Ich wünsche Ihnen - auch namens der Verwaltung des Vereins - wieder eine kurzweilige Lektüre dieser Ausgabe und viel Freunde und Genuss in der Vereinsgemeinschaft mit Tradition -hoffentlich bald wieder ohne Corona-Einschränkungen!

Bewahren Sie alle Ihre Gesundheit und verlieren Sie nicht die Zuversicht!

Ihr
Bernd G. Weber, Vorsitzender
mobil +49151-17430895 (WhatsApp), vth1895-vorsitzender@t-online.de

PS: Sollte Ihnen die eine oder andere Passage in dieser Ausgabe nicht behagen, behalten Sie es nicht für sich, sondern teilen Sie es mir/uns gerne mit. Vielleicht kommen wir so in einen konstruktiven Dialog?
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen/personen-bezogenen Hauptwörtern in unseren Vereinsnachrichten, im Schriftverkehr, in VTH-Formularen ggf. die männliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzliche für alle Geschlechter. Wir stellen damit den Inhalt, Informationsgehalt und Lesbarkeit unserer Texte in den Vordergrund. Keinesfalls wollen wir die Texte durch Sprechstakkato, Sprechpausen, Sternchen, Doppelpunkte u. ä. verhunzen.

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Vereinslokal der Vereinigten Turnerschaft Hagsfeld (VTH 1895 e. V.) heißt seit 35 Jahren „Hagsfelder Stuben®“

Deutsche und griechische Küche mit weltweiten Anleihen

Mit eigenen Händen haben die Mitglieder der Vereinigten Turnerschaft Hagsfeld (VTH) ab 1951 ihre erste Turnhalle gebaut und vor gut 66 Jahren, 1953, in Betrieb genommen. Ebenso lange gibt es auf dem Gelände an der Schäferstraße auch eine Gaststätte. Der langjährige Vorsitzende der VTH, Bernd G. Weber, würdigte dieses Jubiläum bereits bei einem traditionellen Fest der Hagsfelder Turner, bei dem sie einmal im Jahr zum Oktoberfest Freunde, Gönner, Partner und Nachbarn des Vereins und seines Restaurants begrüßen und deftig verköstigen.

Seit einer großen Um- und Anbauaktion 1984 heißt das Lokal „Hagsfelder Stuben®“. Damit hat das Lokal diesen bekannten und in der Region geläufigen, einprägsamen Namen vor nunmehr genau 35 Jahren erhalten. Der Titel entstammt einem Wettbewerb unter den VTH-Mitgliedern, bei dem nach Einschätzung der Jury auch eher nicht allzu ernst zu nehmende Vorschläge wie „Fideler Turnschuh“ oder „Turnerklause“ eingingen. „Hagsfelder Stuben®“ aber beschreibt das Lokal mit unterschiedlichen Räumen. Der große, helle Raum zur Straße hin fasst knapp 80 Gäste, in der anschließenden Stammtisch-Stube, nahe der Theke, umgeben von Vitrinen mit Pokalen und einer gemütlichen Eckbank, können gut 20 Gäste Platz nehmen. Die Nebenstube bietet rund 40 Sitzplätze. Wenn eine Gesellschaft das komplette Restaurant einschließlich des großen Saals mit Bühne benötigt, darf sie bis zu 300 Köpfe stark sein.

Denn die kleine Turnhalle hinter dem eigentlichen Lokal dient auch noch als Sport-, Kultur- und Veranstaltungsraum und ist zugleich auch großer Saal der Gaststätte. So treffen sich hier etwa seit 1985 die Hagsfelder Gesangvereine Frohsinn 1890 und Liederkranz 1873 in „ihrem Probenraum“ zu den Chorproben. Auch ist ihnen der Saal beliebtes Vereinslokal. Außerdem sind Aufführungen aller Art möglich. Als Lokal für Versammlungen eignen sich die Hagsfelder Stuben auch für andere Organisationen. Stammtische haben sich ebenfalls die Hagsfelder Stuben als Treffpunkt ausgesucht. Und nicht zuletzt tagen auch die in Hagsfeld und Umgebung ansässigen demokratischen Parteien mit ihren örtlichen Gruppierungen in den Hagsfelder Stuben.

Seit November 2017 ist Valentino Gjika Pächter auf den Hagsfelder Stuben, die Küche hat der Onkel Vaseileos Gkikas unter sich. Vorsitzender Bernd G. Weber nennt das, was die Küche verlässt, „mediterrane und badisch-pfälzische Frischeküche“. Vaseileos Gkikas bestätigt die Einschätzung der Angebote, die aus der Küche der Hagsfelder Stuben auf den Tisch des Gastes kommen. Aus der Tiefkühltruhe kommt bei uns außer Eisprodukten recht wenig. Täglich gibt es in den „Hagsfelder Stuben“ einen preiswerten Mittagstisch. Jetzt, zu Beginn der helleren Jahreszeiten, kommen auch wieder vermehrt sommerliche Gerichte und Cocktails ins Angebot. Bald öffnet wieder der Biergarten mit verschiedenen Biersorten der Brauerei Ketterer (Export, Pils, helles und dunkles Hefe-Weißbier, Kristall-Weizen und saisonal auch Bockbier) die selbstverständlich auch im Lokal zu bekommen sind. 60 Gäste können den Feierabend oder einige gemütliche Wochenend-Stunden im Biergarten der Hagsfelder Stuben genießen.

VOR 35 JAHREN AUSGEBAUT: Seither heißt das VTH-Lokal „Hagsfelder Stuben®“. Das „Informationsportal“ im Internet (www.vthagsfeld.de) weist auf die VTH-Sportangebote und die Angebote des Lokals (www.hagsfelder-stuben.de) hin.

Neuanschaffung von Sportgeräten und Ordnung im Raum für Kleingeräte

Der Anfang ist der wichtigste Teil der Arbeit.“ Dies wusste schon Platon. Ohne einen Anfang kein Ende.

Im Frühjahr dieses Jahres habe ich zusammen mit Heike Weber angefangen, den kleinen Geräteraum im Flur der VTH-Sporthalle aufzuräumen und versucht, Ordnung in das Chaos zu bringen. Die zwei Bilder zeigen die Vorher-Nachher-Situation.

Der Anstoß zum Aufräumen war die Neuanschaffung von Sportgeräten für die Abteilungen Gymnastik, Kickboxen, Turnen und Volleyball.

Die Abteilung Gymnastik trainiert jetzt zusätzlich mit 15 Togu® Brasil®. Die Kickboxer trainieren jetzt mit zwei Shadowboxer-Sets und den dazugehörigen Power Tubes. Die Abteilung Turnen hat u.a. drei neue Würfel, Teppichfliesen, Mini-Markierhauben, Tischtennisbälle und ein Tamburin erhalten. Die Abteilung Volleyball trainiert u.a. mit ihrer neuen Koordinationsleiter, mehreren unterschiedlich schweren Medizinbällen oder auch neuen Volleybällen. Nach dem harten Training nutzen sie die neuen Blackrolls um Verspannungen zu lösen und unterstützen dadurch die muskuläre Regeneration.

Diese neuen Utensilien werten den Sport in der VTH und die neuen Möglichkeiten in den einzelnen Abteilungen sehr auf. Auch die anderen – hier nicht benannten – Abteilungen profitieren von den neuen Geräten der Firma Kübler Sport GmbH und können diese mit nutzen. Die Bestellung hatte einen Gesamtwert von 2.700,00 € und mir fallen noch einige Dinge ein, die die VTH noch brauchen könnte. Auch gibt es noch Potenzial die Ordnung im Geräteraum zu verbessern.

Aber: Gut Ding will Weile haben! In diesem Sinne … Ich freue mich auf die kommenden Berichte aus den Abteilungen.

Maxi Weber
Sportwart Turnen, Bereich Kinder/Jugend

Marielle Billet brilliert beim Deutschland-Pokal in Grünstadt – Silber und Bronze für Baden, 28./29.10.2017

Mit einem zweiten und dritten Platz in der Mannschaftswertung sowie einem tollen zweiten Platz durch Marielle Billet in der Einzelwertung der Altersklasse 12 und der damit verbundenen Nominierung für den Juniorenländerkampf, kann die KRK auf ein erfolgreiches Wochenende in Grünstadt zurückblicken. 

Marielle Billet stolz auf dem 2.Rang in der Einzelwertung und einer Nominierung für den Länderkampf in der Tasche

Den Start am Samstagmorgen machte die 10-jährige Anna-Liv Jonson mit ihrer Trainerin Nina Dienemann. Anna-Liv, die als Quereinsteigerin in die KRK kam, hatte ihren ersten großen Wettkampf auf nationaler Bühne. Im Wettkampf unterliefen ihr noch einige Fehler, trotzdem waren sie und ihre Trainerin am Ende zufrieden. Mit ihrem Team belegte sie den 4.Platz und Anna-Liv kann sicherlich im nächsten Jahr zeigen, was sie turnerisch draufhat.

Schon weitaus wettkampferfahrener zeigten sich die 12-jährigen Mädchen Marielle Billet, Alisha Igüs und Alexandra Tcherniakhovski um ihre langjährige Trainerin Anna-Lena Pfund. Das badische Team stand am Ende hinter Sachsen auf dem 2.Platz. Herausragend an diesem Tag zeigte sich Marielle, die etliche neue Elemente eingebaut hatte, die ihr alle gut gelangen. Am Sprung konnte sie mit ihrem Überschlag-Salto und 13,0 Punkten die Tageshöchstwertung erturnen, am Barren zeigte sie erstmals ihren neuen Abgang aus dem Stalder und am Boden neben dem Doppelsalto die schwierige Kombination aus 1,5 Schraube und Schraube vorwärts. Mit 46,5 Punkten stand am Ende fest, dass Marielle zu den fünf besten Turnerinnen der Altersklasse 12 und 13 gehört. Auf Grund dieser tollen Leistung wurde sie direkt nach dem Wettkampf von Bundesnachwuchstrainerin Claudia Schunk für den Juniorenländerkampf am kommenden Samstag in der Schweiz nominiert. Herzlichen Glückwunsch und eine gute Vorbereitung!!!

AK 12 aus dem Rudi-Seiter-Zentrum für Baden am Start: Marielle Billet, Alexandra Tcherniakhovski und Alisha Igüs mit Trainerin Anna-Lena Pfund

KRK-Presse/HP

Boarische Taferlmusik, Drohnenfilm und Riesenhax‘n
Zum 25.Mal feierte die VTH ihr Oktoberfest

Ja, war denn schon wieder Oktoberfest? Ja, zum 25. Male feierten die Hagsfelder Turner mit Pforzheimer Gerstensaft in der altbaierischen Tradition. Grad spät genug war’s, ist doch der eigentliche Namensgeber mehr im September denn im Oktober zu finden. Den Haupt-Chef der VTH, Bernd G. Weber, ficht dies nicht an. Er ruft halt auch mal fast am Ende des Oktobers zum Oktoberfest. Dann halt, wenn’s personell und von der Hallennutzung her passt. Zum Silberjubiläum war zugleich auch eine kleine Premiere zu feiern, hatte man sich doch Wochen zuvor schwer ins Zeug gelegt und die Hallenbeleuchtung mit großen Anstrengungen energetisch auf den neuesten Stand gebracht. Nun also konnte die augenschonende indirekte LED-Beleuchtung zum ersten Mal ausgiebig genutzt werden. Auch für die hier probenden Hagsfelder Gesangvereine, meinte Weber in seiner Begrüßungsrede, sei das neue Licht eine recht angenehme Sache. Könnten sie doch jetzt viel besser die Noten in ihren Gesangsunterlagen lesen. Auch in der großen Halle und im Sängerzimmer herrsche jetzt eitel Lichtfreude.

Still etwas enttäuscht waren die Freunde und Gönner der VTH ein wenig, dass die Bühne diesmal leer blieb und junge Turnerinnen und Turner nicht, wie sonst üblich, für staunend geöffnete Münder und frenetisch Beifall klatschende Hände sorgten. Einen kleinen Ausgleich wollte Weber mit einem Film bieten. Der Hafenmeister des Karlsruher Jachthafens – dort betätigt sich der Vereinsvorsitzende als Freizeitskipper – ist im Besitze einer Kameradrohne. Mit dieser hatte er das Vereinsgelände der VTH und angrenzende Grundstücke – kein Privatgelände! – überflogen. Der 15-Minuten-Film demonstrierte, welch tolle Arbeit die Hausmeister der VTH immer wieder vollbringen, wenn sie das Vereinsareal in Schuss halten. Die Gebäude der VTH sind nicht in dem Sinnen von „Hier ein Blechlein, dort ein Blechlein, fertig ist das Scheißhausdächlein“ (Originalton Weber) gefertigt, sondern akkurat auf hohem gestalterischen Niveau. Und der Film zeigte auch die gewaltigen Ausmaße der Industrie- und Gewerbeanlagen in unmittelbarer Nachbarschaft, beispielsweise des neuen Hegele-Logistikzentrums. Kleines Schmankerl am Rande: Bevor die Bilder mit etwas Mühe vom Laptop über den Beamer an die Leinwand geworfen werden konnten, sackte diese Projektionsfläche erst einmal zusammen, weil eine Schlaufe gerissen war und sie musste zunächst eilends wieder auf Vordermann gebracht werden. Dann aber konnten die Filmsequenzen genossen werden.

Wie immer altbaierisch war das musikalische Angebot zur Begleitung des Abends. Die vier „Boarischen Taferlmusikanten“ (aus dem nördlichen Landkreis Rastatt), die traditionell beim VTH-Oktoberfest auftreten, spielten mit Musik auf, wie sie aus bayrischen Bierzelten bekannt ist. Mit bemerkenswerten Instrumenten, vor allem mit der wertvollen, weil seltenen und historischen Taschentuba aus dem Jahr 1876. Mit solchen Instrumenten – neben der Taschentuba noch das Flügelhorn, die Basstrompete, das Akkordeon – spielten „Taferlmusikanten“ vor 100 und mehr Jahren zu festlichen Gelegenheiten an den fürstlichen und sonstigen hohen Häusern. Festlich war die Gelegenheit am 20. Oktober schließlich auch.

Kaum war der Film durch, „hatten wir den Salat“. Nach rund einem halben Jahr verabschiedete sich der „neue“ griechische Wirt der Hagsfelder Stuben mit einem Menü baierischer Art. Seine Nachfolge hat inzwischen ein Landsmann angetreten. Zu Beginn des gemeinsamen Essens servierte das Lokal den Gästen einen Vorspeisensalat, der hinleitete auf eine gewaltige Hauptspeise. Ob das so gesund ist, am doch schon relativ fortgeschrittenen Abend eine riesige Hax‘n zu verzehren, begleitet von Knödeln und Rotkohl? Egal, verputzt wurd’s! Und die Dekoration mit weiß-blauen Girlanden und Lampions an der Wand war auch richtig bayerisch. Zum Abwischen der Münder nach festem und flüssigem Genuss griff man ebenfalls nach bayerisch Gefärbtem. Denn auch die Servietten kamen in blau und weiß daher.

Rüdiger Homberg

Zur Geschichte der Turnbewegung in Hagsfeld

Erstmals anl. der 90jährigen Jubiläums-Feier 6. bis 8. Dezember 1985 in den VTH-Nachrichten 6/1985 veröffentlicht:

Die nachstehende Chronik des ehemaligen Turnvereins erhebt keinen Anspruch auf eine lückenlose Darstellung. Das Schrifttum des Vereins, z. B. die Protokollbücher, die eine vollständige Geschichtsschreibung ermöglicht und erleichtert hätten, sind im Jahre 1944 im zweiten Weltkrieg, bei einem Luftangriff durch Brandbomben vernichtet worden.

So wurde alles aus dem Gedächtnis wiedergegeben und wenn deshalb manches Erwähnenswerte unberücksichtigt blieb, lag darin keine böse Absicht, sondern nur das (subjektive) Unvermögen, alle Einzelheiten eines 90 Jahre währenden Zeitraumes sich in das Gedächtnis zurückzurufen. Manches blieb Stückwerk, weil der Tod in diesen neun Jahrzehnten zahlreiche Turnbrüder für immer verstummen ließ, die uns gewiss in vielen der Vorgeschichte anheimgefallenen Dingen hätten Aufschluss geben und damit zu einer Vervollständigung der Vereinschronik hätten beitragen können.

Das Wiedererinnerte möchten wir jedoch wie folgt zusammenfassen:

Der eigentliche Gründer des Turnvereins war der im Jahre 1953 verstorbene Schriftsetzer und nachmaliger Korrektor Ludwig Reissle. Auf sein Betreiben hin fand im Jahre 1895 im damaligen „Gasthaus zum Hirsch“ eine Versammlung statt, in der die Gründung des Turnvereins beschlossen wurde. An der Gründungsversammlung nahmen teil: Ludwig Reissle, Friedrich Linder, Friedrich Martin Pallmer, Eduard Strenger, Ernst Linder, Gustav Ott, Wilhelm Weber, Wilhelm Ott senior und Eduard Pallmer.

Reissles Initiative war es auch zu verdanken, dass alsbald nach der Vereinsgründung als erstes Gerät ein Barren zum Preise von 120 Goldmark durch freiwillige Spenden der inzwischen auf 45 Mitglieder angewachsenen Turnerschaft angeschafft werden konnte.

Der Turnbetrieb konnte nunmehr an diesem Gerät beginnen. Als Turnwart bestellte sich der Verein den turnerischen Fachmann Bernhard Schwarz, der den Turnbetreib die ersten 5 Jahre leitete. Bald darauf wurde eine Reckstange angeschafft und an den bereits im Garten des Gasthauses zum Hirsch aufgestellten zwei starken Holzpfosten angebracht. Damit konnte das Turnen auch auf Übungen am Reck erweitert werden.

Herr Direktor Maul von der Landesturnanstalt schenkte dem jungen Verein ein vom Schulturnen ausrangiertes altes „dickes“ Pferd, sodass jetzt auch mit dem Pferdturnen begonnen werden konnte. Allerdings hieß es auch hier: aller Anfang ist schwer, umso mehr, als kein einziges Mitglied turnerisch ausgebildet war. Ganz einfache Übungen, bei denen aber von vornherein auf gute Haltung gesehen wurde, waren die ersten Disziplinen.

Am Barren ein- und ausspreizen, leichte Schwünge, Stützübungen und im weiteren Verlauf dann auch Schulterstände. In gleicher Weise ging es an den beiden anderen Geräten vor sich. Die Leistungen wurden aber zusehends besser, so dass schon bald in drei Stufen, Ober-, Mittel- und Unterstufen geturnt werden konnte.

Das erste Gauturnfest

Beim Gauturnfest in Mühlburg im Jahre 1896 errangen sich bereits zwei Turner im Einzelwettkampf am Barren Kränze und der ganze Verein beteiligte sich mit 16 Turnern am Vereinswettkampf mit gutem Erfolg. Im gleichen Jahr hielt der Verein auch ein Zöglings-Wettturnen ab, aus dem die Zöglinge Herrmann Weber und Ernst Erb als Sieger hervorgingen.

Nebenbei wurde auch das Wandern, meist in der näheren und weiteren Umgebung von Karlsruhe gepflegt. Als Wandertag wurde der Himmelfahrtstag eines jeden Jahres bestimmt.

Die Raumfrage lies ein Verbleiben des Vereins auf weite Sicht im Hirschen nicht zu, weil außer dem Turnverein noch zwei weitere Vereine den damals einzigen Saal benutzten.

Von 1897 bis 1898 verlegte der Verein seinen Sitz in das Gasthaus „Zur Krone“. Aber auch hier verblieb der Verein nur kurze Zeit, weil der Saal zu nieder und deshalb für turnerische Zwecke ungeeignet war. Inzwischen wurden auch Verhandlungen gepflegt mit dem Landwirt August Malsch, der sich zum Bau einer Halle entschloss.

Am 8. Mai 1898 fand dann der letzte Umzug ins Gasthaus Lamm statt. Jetzt erst war die Grundlage für einen weiteren Aufbau des Vereins geschaffen und konnten alle Disziplinen aufgenommen werden.
Die vorzügliche Leitung des Turnwartes Bernhard ermöglichte es dem Verein, an dem im Jahre 1899 stattgehabten Kreisturnfest in Neustadt (Haardt) mit einer 18 Mann starken Vereinsriege teilzunehmen und zwar mit gutem Erfolg.

Der seitherige Turnwart Bernhard schied am Ende des Jahres 1900 aus. Von da ab wurde der Turnbetrieb von dem damals 21-jährigen Mitglied Gustav Nerding geleitet.

Das im Jahre 1902 stattgefundene Kreisturnfest in Pforzheim konnte mit einer 24 Mann starken Vereinsriege besucht werden. Der Verein schnitt hierbei mit der Note „sehr gut“ ab.

Gauturnfest in Hagsfeld

Ein Höhepunkt der Vereinsgeschichte bildete das Jahr 1906, in welchem dem Verein das Gauturnfest übertragen wurde. Der 30. Juni 1906, an dem das Gauturnfest stattfand, wurde zu einem Festtag für die ganze Gemeinde, die sich an der Ausschmückung der Häuser freudig beteiligte und an der Veranstaltung lebhaften Anteil nahm. Sämtliche Vereine des Karlsruher Turngaues waren zu dieser turnerischen Schau vollzählig angetreten.

Einen solchen Festzug hatte die Gemeinde bis dahin noch nicht gesehen. Das Fest selbst wickelte sich dank der guten Vorbereitungen des Turnvereins reibungslos ab und nahm einen ruhigen von echt turnerischem Geiste getragenen Verlauf, was auch vom Gauvorstand rühmlich hervorgehoben wurde.

Das Jahr 1906 war auch wirklich der Höhepunkt des Vereins selbst. Dennoch im gleichen Jahre traten auch innerhalb der Gemeinde die damaligen sozialen Spannungen und deren politische Auswirkungen auf, die sich auch stark auf den Turnverein auswirkten.

Zwei Vereine

Sie führten im Jahre 1907 dahin, dass von vielen Mitgliedern ein Antrag auf Übertritt des Vereins in den Arbeiterturnerbund gestellt wurde. Der Antrag wurde abgelehnt, aber der Verein verlor hierbei zahlreiche Mitglieder, die sich in der nachmaligen „Freien Turnerschaft“ zusammenschlossen, somit bestanden nun zwei Turnvereine in Hagsfeld, beide mit annähernd gleicher Mitgliederzahl.

Es sei aber gleich hervorgehoben, dass das Verhältnis der beiden Brudervereine zueinander nie ernstlich getrübt war. Allerdings hat die Trennung keinem der beiden Vereine zu Vorteil gereicht. „Freie Turnerschaft“ bezog Quartier in dem Gasthaus „Zum Bahnhof“.

Bis zum Jahre 1914 ergänzte sich die Mitgliederzahl jeweils in beiden Vereinen durch den Eintritt der kurz vor dem Militärdienst stehenden jungen Männer. Geübte Turner waren nämlich beim Militär bevorzugt und genossen manche Erleichterung beim Militärdienst. Dies wurde aber von 1914 an – dem Ausbruch des ersten Weltkrieges - anders. Der Turnverein verlor in diesem Weltkrieg 19, die Freie Turnerschaft 17 Mitglieder.

Da es sich um lauter aktive Turner handelte, wurde der Turnbetrieb in beiden Vereinen durch diesen Aderlass stark beeinträchtigt. Da gleich bei Kriegsausbruch im Jahre 1914 und zu Anfang des Jahres 1915 zahlreiche Turner zum Heeresdienst eingezogen wurden, kam der Turnbetrieb in beiden Vereinen bereits im Jahre 1915 zum Erliegen, lediglich waren es nur noch jüngere Leute, die aus der Schule entlassen wurden, mit denen man den Turnbetrieb noch aufrecht erhielt. Man hoffte jedoch, nach Kriegsende alsbald den Betrieb wieder vollzählig aufnehmen zu können, doch wurden beide Vereine in dieser Hoffnung enttäuscht.

Unmittelbar nach dem katastrophalen Kriegsende im Jahre 1918 setzte nämlich eine Hungerszeit ein, die alle Voraussetzungen für eine normale Ausübung der Leibesübungen, wie sie in den Turnvereinen betrieben wurden, von vornherein zerstörten. Erst nach Eintritt besserer Lebensbedingungen konnte der Turnbetrieb wieder voll aufgenommen werden. Die Reihen der Turner hatten sich aber so stark gelichtet, dass zwecks weiterer Belebung des Turnbetriebes in beiden Vereinen im Jahre 1921 besondere Turnerinnen-Abteilungen eingeführt wurden. Diese Abteilungen wurden durch ihren Fleiß und ihr lebhaftes Interesse an den Leibesübungen zu einem wesentlichen Faktor im Turnbetrieb. Es gab keine Veranstaltung beider Vereine, denen die Turnerinnen nicht viel zum Gelingen der Feste beigetragen hätten.

Das Frauenturnen in der nunmehr gezeigten Form – früher wurden nur Tanz und Reigen eingeübt - fand in der Gemeinde lebhaften Anklang. Das Interesse für die Turnerei ist nach dem ersten Weltkrieg stark beeinträchtigt worden. Mancher hoffnungsvolle Turner hat sich aktiv nicht mehr beteiligt. Auch ist in der Mitgliederzahl hüben wie drüben nahezu ein Stillstand eingetreten. Dabei blieb es bis zum Jahre 1933.

Schon bald nach der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus im Jahre 1933 wurde die Freie Turnerschaft aufgelöst, die Turngeräte wurden beschlagnahmt und enteignet. Ein Barren wurde dem Turnverein zugeteilt. Einige Mitglieder der freien Turnerschaft traten dem Turnverein als aktive Turner bei.

Die Gleichschaltung

Die in der Deutschen Turnerschaft vereinigten Vereine, zu denen auch der Turnverein zählte, blieben zunächst unangetastet. Sie wurden jedoch nach geraumer Zeit dadurch gleichgeschaltet, dass die Deutsche Turnerschaft insgesamt in den nunmehr eingerichteten Reichsbund für Leibesübungen eingegliedert wurde. Diese Gleichschaltung hat keine Freude im Turnverein ausgelöst, umso mehr als ihm die Jugend nach und nach durch die Hitlerjugend und den Bund deutscher Mädchen entzogen wurde.

Um den Turngedanken im Sinne des Turnvaters Jahn wach zu halten und um den jüngeren Turnern einen Ansporn zu geben, wurden die Alten aufgerufen, die dann an den regelmäßigen Turnstunden teilnahmen, in einer besonderen Altmännerriege. In den letzten Jahren vor Beginn des 2. Weltkrieges wurde auch eine Extra-Abteilung für Frauengymnastik gegründet – waren es bisher hauptsächlich junge Mädchen bei den Turnerinnen gewesen.

Inzwischen warf der 2. Weltkrieg seine Schatten voraus. Das gesellschaftliche Leben wurde von der allgemeinen Sorge um die Zukunft unseres Volkes und Vaterlandes ausgelöscht. Obwohl im Herbst 1939 noch keine größeren Kampfhandlungen stattfanden, musste der Turnbetrieb – zunächst wegen des kalten Winters 1939/40 bereits im Dezember 1939 eingestellt werden.

Das Vorhaben, mit Eintritt der wärmeren Jahreszeit im April 1940 den Turnbetrieb wieder voll aufzunehmen, konnte nicht verwirklicht werden, weil alsdann auch die technischen Leiter des Turnvereins zur Wehrmacht einberufen wurden. Lediglich die jüngeren Turnerinnen machten bis etwa 1942 weiter. Was nun folgte war ein Leben zwischen Hangen und Bangen, ein Leben voll Trauer und Leid. Von Jahr zu Jahr steigerten sich die Schrecken des furchtbaren und unglücklichen 2. Weltkrieges.

Das „bittere“ Ende

In die Geschichte der ganzen Gemeinde Hagsfeld ist der 25. April 1944 eingegangen. An diesem Tage wurde ein Großteil der Gemeinde durch Brand und Sprengbomben in Schutt und Asche gelegt. Auch das Vereinsheim des Turnvereins, die Gastwirtschaft zum „Lamm“ samt Turnhalle, ging bei diesem Luftangriff in Flammen auf. Hierbei wurden auch alle in der Turnhalle des Vereinsheims aufbewahrten Turngeräte ein Raub der Flammen. Unversehrt blieben nur 2 Barren, 1 Reck, 1 Pferd, 1 Federsprungbrett und 2 Sprungständer die in dem auf dem Sportplatz des Turnvereins erstellten Geräteschuppen untergebracht waren. Das war das Ende des Turnvereins, noch bevor der Verein aufgrund der Kontrollrats-Direktive Nr. 13 im Jahre 1945 aufgelöst wurde.

Geschichte der Vereinigten Turnerschaft e.V. Karlsruhe-Hagsfeld

Der deutsche Sport ist durch den Hunger und das Elend der Nachkriegsjahre in seiner Entwicklung gehemmt worden. Vier Jahre gingen ins Land, bis die Lähmung alles gesellschaftlichen Lebens mit der allmählichen Besserung der Lebensbedingungen überwunden und der Gedanke der Wiederaufnahme des Turnbetriebes in der Gemeinde erwogen werden konnte.

Jedem Einsichtigen war klar, dass die Turner künftig nicht mehr getrennt marschieren konnten. So wurde manches Vorurteil und alle gegensätzlichen früheren Standpunkte aufgegeben und nur dem einen Gedanken gehuldigt:

„Großes Werk gedeiht nur durch Einigkeit

Am 11. Oktober 1949 wurde vom damaligen Spartenleiter – Turnen – des ASV hier, Robert Fischer eine Versammlung der früheren Turner einberufen, zum Zweck der Neugründung eines Turnvereins. Die Einberufung wurde auf einer 8 Tage vorher stattgefundenen Zusammenkunft beschlossen, bei welcher wegen der geringen Teilnehmerzahl keine weiteren Beschlüsse gefasst werden konnten.

An der Gründungsversammlung am 11. Oktober 1949 nahmen teil: Robert Fischer, Max Strenger, Peter Witt, Wilhelm Hemberle, Karl Schucker, Wilhelm Fischer, Alwin Wurm, Trudel Schlimm, Rudolf Schork, Walter Schork, Wilhelm Wurm, Wilhelm Martin, Robert Walther, Karl Linder, Berthold Fries, Hermann Mitschele, Oskar Rausch, Adolf Kastner, Wilhelm Ott, Kurt Reeb, Edmund Wolf, Ludwig Reeb, Kurt Schell, Fritz Hörr. Die Versammlung wurde von Robert Fischer geleitet.

Nachdem der Turnbetrieb nahezu 10 Jahre unterbrochen war, musste zuerst wieder das Interesse an der Ausübung des Turnsportes geweckt werden. Es war klar, dass man vor allem feststellen musste, ob überhaupt noch geeignete Kräfte zur Leitung des Turnbetriebes vorhanden und bereit wären. Die Turnwartfrage war also vordringlich.

Nach längerer Aussprache wurden einstimmig gewählt: als Männerturnwart Wilhelm Ott, als stellvertretender Männerturnwart Oskar Rausch, Jungenturnwart Edmund Wolf, als Frauen-Turnwartin Trudel Schlimm (später verh. Dravnieks).

Neugründung

Nun trat man der Frage nach der Neugründung näher. Der Antrag, das Turnen in einer besonderen Turnabteilung des ASV aufzunehmen wurde abgelehnt, dagegen die Neugründung des Turnvereins beschlossen, dem man einstimmig den Namen „Vereinigte Turnerschaft“ gab.

In den Turnrat wurden vorläufig noch gewählt: als 1. Vorstand Hermann Mitschele, als 2. Vorstand Max Strenger, als Kassenleiter Peter Witt und als Schriftführer Walter Schork.

Als Rechtsnachfolger des ehemaligen Turnvereins e.V. Hagsfeld bzw. der ehemaligen Freien Turnerschaft Hagsfeld, erhob die neu gegründete Vereinigte Turnerschaft Hagsfeld Anspruch auf Rückgabe der aus dem Vermögen des ehemaligen Turnvereins, bzw. der Freien Turnerschaft noch vorhandenen, im Besitze des ASV Hagsfeld sich befindlichen Turngeräte. Weiterhin beanspruchte die Vereinigte Turnerschaft den ehemaligen Sportplatz des Turnvereins sowie dessen Geräteschuppen. All diese Fragen wurden dank des Entgegenkommens des ASV Hagsfeld zufriedenstellend gelöst.

Keine Turnhalle

Mangels eines geeigneten Turnsaales (die früher als Turnhallen dienenden Gebäude waren zerstört oder teilweise stark beschädigt) musste zunächst in einem Schulkeller geturnt werden. Das war allerdings keine Ideallösung. Die Turnstunden wurden gut besucht und so war der Schulkeller für einen solchen Betrieb nicht nur zu klein, sondern auch vom gesundheitlichen Standpunkt aus gesehen auf die Dauer unzweckmäßig.

Der Bahnhofsaal

Bei der ersten Turnstunde am 14. November 1949 waren 17 Turnerinnen und am 15. November 1949 bereits 38 Turner anwesend. Der Turnbetrieb wurde deshalb sofort nach der provisorischen Fertigstellung des Saales der Bahnhofswirtschaft dahin verlegt. So konnte sich der Turnbetrieb besser entfalten. Das verhältnismäßig rasche Anwachsen der Vereinigten Turnerschaft ist auf eine planmäßig durchgeführte intensive Werbeaktion zurück zu führen. So zählte die Turnerschaft bereits einen Monat nach ihrer Gründung schon 114 Mitglieder.

Planung einer eigenen Halle

Im März 1950 beabsichtigte man eine etwa 20 m lange und jederzeit erweiterungsfähige Hütte als vorläufiges Turnerheim zu erstellen. Zu diesem Zweck war vom Sport–Toto ein Darlehen in Höhe von 3.000 DM in Aussicht gestellt. Die Hütte sollte auf dem Sportplatz des ehemaligen Turnvereins aufgestellt werden, mit dessen Neuanlage die Turner begonnen hatten. Nachdem aber auch die Stadtverwaltung und die Schulbehörde wegen des Schulturnens ihr Interesse an einer Turnhalle zeigten, lies man den Hüttenbaugedanken fallen und entschied sich für den Bau einer Turnhalle. Für die Planung und Durchführung des Baues wurde ein besonderer Ausschuss in folgender Zusammensetzung gebildet:

Architekt Eugen Ruch, Turnbruder Oskar Wolf, Turnbruder Fritz Kastner, Turnbruder Peter Witt (Kassier).

Ursprünglich wollte man sich mit einem 12 x 10 m großen Bau begnügen. Da aber nunmehr auch von der Stadtverwaltung mit einem größeren verlorenen Zuschuss gerechnet werden konnte, entschied man sich endgültig eine Gesamtlänge von 24 m und eine Hallenbreite von 10 m.

Erfreulicherweise wurden der Turnerschaft über die Schule verschiedene Turngeräte zur unentgeltlichen Benutzung überlassen, sie verblieben aber im Schuleigentum.

Das Bauvorhaben wurde aber entscheidend auch von unserem damaligen Kreisvorsitzenden Turnbruder Otto Landhäuser, der im Regierungspräsidium für das Land Baden tätig war, unterstützt. Der Haushaltsplan der Stadt Karlsruhe für das Jahr 1950 sah keine Mittel für derartige Baudarlehen vor. Dagegen wollte die Stadt wegen des Schulturnens Mieter werden. Die einzelne Schulturnstunde wird mit 63 bzw. 64 Pfennig vergütet. Bei dieser Sachlage schlug Turnbruder Landhäuser im Sportausschuss des Stadtrates (der das Bauvorhaben schon wegen des Schulturnens ebenfalls befürwortet) vor, die Stadt möge für 20 Jahre die Miete im Voraus bezahlen. Dem Vorschlag wurde stattgegeben.

Die Finanzierung

Damit stand der Turnerschaft mit Toto-Lotto und Eigenarbeit der Betrag von 25.000 DM für den Bau der Turnhalle zur Verfügung. War man bisher – bis zur Klärung der Finanzfrage - in seinen Beratungen und letzten Beschlüssen vielfach gehemmt, so konnte nunmehr das endgültige Planen abgeschlossen und mit dem Turnhallenbau begonnen werden.

Eigenarbeit

Die Mitglieder wurden aufgerufen und viele Turner und auch Turnerinnen kamen. Mit Schaufel und Bickel rückten sie an und huben die große Baugrube aus. Als dies geschehen, griffen sie unter fachmännischer Leitung auch zur Kelle und Hammer und stellten den Rohbau der Turnhalle in vielen hundert freiwillig geleisteten Tagewerken fertig. Diesem schönen Beispiel folgten selbst die Landwirte unserer Gemeinde, die freiwillig mit ihren Gespannen Baustoffe, Auffüllmaterial und dergleichen herbei fuhren. Ebenso wirkten auch die Maurermeister Hermann Wolf sen. und Erwin Seiter in uneigennütziger Weise mit, indem sie ihre Geräte unentgeltlich zur Verfügung stellten und auch selbst mit Hand anlegten. Dass der Bauausschuss und Turnrat in der Zeit des Turnhallenaufbaues vor viele Fragen gestellt wurden und ein großes Arbeitspensum zu bewältigen hatten, sei rühmend erwähnt.

Ein Mann aber hat sich besonders um den Turnhallenbau verdient gemacht, der inzwischen verstorbene Blechner– u. Installateurmeister Oskar Wolf. Er war die treibende Kraft, wenn die Turnbrüder in der freiwilligen Aufbauarbeit ermüden wollten. Er setzte zugunsten des Hallenbaues selbst seine eigentlichen Geschäftsinteressen hintenan und bemühte sich ständig um die Planung, Finanzierung und Erweiterung. Auch die hauptsächlichsten Verhandlungen mit der Baubehörde hat er geführt. Dies alles zu einer Zeit, als schon ein unheilbares Leiden an seinem Lebensmark zehrte.

Am 12. April 1953 konnte er mit berechtigtem Stolz darauf hinweisen, dass die von den Turnern geleistete Eigenarbeit beim Bau der Turnhalle sich auf ungefähr 20.000 DM belaufe. Die Turner aber hatten sich damit für alle Zeiten ein Ruhmesblatt in der Geschichte der Vereinigten Turnerschaft Hagsfeld erworben.

Im eigenen Heim

Die am 30. und 31. Mai 1953 vollzogene Hallenweihe konnte Oskar Wolf nicht mehr besuchen. Die Vereinigte Turnerschaft hat zu seinem ehrenden Andenken auf der Stirnseite der Turnhalle (Ostseite) einen Gedenkstein mit der Aufschrift anbringen lassen: „Die Halle wurde unter Leitung von Oskar Wolf in Gemeinschaftsarbeit erbaut 1953“ (seit 1984 ist diese Platte innerhalb der kleinen Sporthalle = Saal der Hagsfelder Stuben® angebracht).

Reges Interesse für die Finanzierung des Hallenbaues zeigte auch Stadtrat Fritz Meinzer, der im Sportausschuss des Stadtrates die Belange der Vereinigten Turnerschaft nachdrücklich vertrat, sowie Gemeindesekretär Wilhelm Knobloch, der dem Turnrat in dieser Hinsicht ebenfalls mit Rat und Tat zur Seite stand.

Einweihung

Dank der finanziellen Unterstützung durch die Stadtverwaltung wurde der Ausbau der Turnhalle so beschleunigt, dass die Weihe der Halle – wie schon erwähnt – am Abend des 30. Mai 1953 mit einem Festbankett vorgenommen bzw. eingeleitet werden konnte. Der erste Vorstand der Vereinigten Turnerschaft Reinhold Schlimm, begrüßte in der überfüllten Turnhalle alle Mitglieder, Gäste und Ehrengäste, unter Letzteren besonders den Vertreter des Oberbürgermeisters der Stadt Karlsruhe, Herrn Dr. Emil Gutenkunst, den Vorsitzenden des Karlsruher Turnkreises, Herrn Regierungsrat Otto Landhäuser, sowie den Vorsitzenden des Badischen Fußballverbandes, Fritz Meinzer.

Die beiden örtlichen Gesangvereine Liederkranz und Frohsinn trugen durch Liedvorträge wesentlich zur Verschönerung des Weihe-Aktes bei. Die Festfreude war groß, als Herr Gutenkunst der Vereinigten Turnerschaft als Weihegeschenk der Stadtverwaltung den Betrag von 1.000 DM in Aussicht stellte. Es sei hinzugefügt, dass Herr Gutenkunst auch tatsächlich sein Wort hielt.

Der Kreisvorsitzende Otto Landhäuser sprach über die Turnideale und hob hervor, dass der Lebenszweck nicht nur Arbeit sondern auch Freizeit ist, bei der das Turnen und der Sport allgemein einen hervorragenden Platz einnehmen. Anschließend nahm er die Ehrung einiger verdienstvoller Turner vor. Stadtrat Fritz Meinzer mahnte zu friedlichem Zusammenarbeiten der örtlichen Sportvereine.

Das verlorene Vermögen der „Freien Turnerschaft“ wurde der „Vereinigten Turnerschaft“ im Rahmen eines Wiedergutmachungsverfahrens weitgehend entschädigt und das Gelände, auf dem das Gebäude steht, von der Stadt Karlsruhe in Eigentum übergeben. Auch für die verlustig gegangenen Geräte wurde in einem Wiedergutmachungsverfahren gegen das Land Baden-Württemberg Entschädigung geleistet.

Großes Werk gedeiht nur durch Einigkeit

Vieles wurde erreicht und geschaffen durch „Aller“ Zusammenarbeit. Doch ein alter Turnerspruch sagt: „Wer rastet, der rostet“. So wurde der Anbau eines Geräteraumes, Duschbad, Geschäftszimmer, Umstellung von Koks- auf Ölheizung durchgeführt. Bereits heute zeichnet es sich ab, dass wir in der Turnhalle aus allen Nähten platzen. Die Verwaltung hat sich hierüber bereits Gedanken gemacht und die Vorbereitungen eingeleitet. Es geht hier um den Neubau einer Sporthalle, Umbau unserer Turnhalle und Wirtschaftsräume auf den neuesten Stand. Es soll hier kein Stückwerk geschaffen werden, sondern etwas „Ganzes“ was auch in die Zukunft reicht.

Die „Neue Sporthalle“

Der Trend, sämtliche Ballspiele auch im Winter zu üben und zu trainieren und Wettkämpfe austragen zu können, gab den Anlass, dass die Jahreshauptversammlung 1974 der Vorstandschaft „grünes Licht“ gab zur Erstellung einer neuen, allen Anforderungen gerecht werdenden Sporthalle, zu der am 15. März 1975 der Grundstein gelegt wurde.

Die Grundsteinlegung selbst nahmen der Hagsfelder Stadtrat und Vorsitzende der Bürgerkommission, Fritz Meinzer, mit dem 1. und 2. Vorsitzenden der VTH, Günter Bausch und Bernd G. Weber vor. Mit dem Projekt hat die Vereinigte Turnerschaft e.V. neue Maßstäbe für die Zukunft gesetzt. Das hohe Maß an Verantwortung für den Breitensport war der Anstoß zu diesem Vorhaben, neben den zuschussfreudigen Institutionen des Landes und der Stadt Karlsruhe.

Die Einweihung der neu geschaffenen Sporthalle konnte am 21. September 1979 unter Beteiligung der gesamten Hagsfelder Bevölkerung (alle Vereine) erfolgen. Der seinerzeitige VTH-Vorsitzende Günter Bausch konnte das großartige Werk der VTH nach einer Bauzeit von vier Jahren zum Wohle aller Bürger in Anwesenheit von Prominenz aus Stadt (Oberbürgermeister Otto Dullenkopf), Land Baden-Württemberg (Justizminister Traugott Bender), Politik und Vereins-Abordnungen und Bürgerschaft der Öffentlichkeit übergeben.

Die neue „alte“ Turnhalle

Nachdem die große Sporthalle mit ca. 1.200 qm (ohne Geräte- und Umkleideräume und die in den Komplex integrierte neue VTH Geschäftsstelle) zu einem deutlichen Aufschwung der Mitgliederzahlen führte, galt es nun erneut eine weitere Baumaßnahme in Angriff zu nehmen. Die alte Sporthalle und die dazugehörige traditionsreiche Turnhallengaststätte genügten in keiner Weise mehr den heutigen Ansprüchen unserer Mitglieder wie auch der Gäste. Überall war zu erkennen, dass die Planungen der 50er Jahre einen solchen sportlichen und wirtschaftlichen Aufschwung in unserem Land und in Hagsfeld nicht voraussehen konnte. Kurzum, die Halle und auch die Gaststätte waren mehr als nur renovierungsbedürftig. Überlegungen gingen vom totalen Abriss bis zum weitreichenden Aus- und Umbau. Aus Kostengründen und auch wegen der noch relativ guten alten Bausubstanz entschloss sich die VTH-Verwaltung, den Aus- und Umbau in drei Bauabschnitten durchzuführen.

Die Planung und Ausführung und die erforderliche Bauaufsicht verlangte von den Beteiligten große Anstrengungen und Opfer, die z. T. bis in den persönlichen und familiären Bereich gingen. Es gelang, den Umbau dieses Projektes Ende 1982 zu beginnen und im September 1984 mit einem offiziellen Festakt die „neue alte Halle“ und die vereinseigene Gaststätte Hagsfelder Stuben® einzuweihen. Der VTH-Vorsitzende Bernd G. Weber konnte der großen Zahl erschienener Ehrengäste mit Stolz vorführen, wie sinnvoll und umsichtig die VTH in den letzten zehn Jahren deutlich über 3 Millionen DM in Gebäude und Sportanlagen investiert hat.

Angesichts der doch noch bescheidenen Größe des Vereins gilt dieses Investitionsvolumen in Stadt- und Landkreis als beispielhaft. Wir sind das Wagnis gewaltiger Investitionen und auch der Folgekosten eingegangen, aber eines muss klar zum Ausdruck gebracht werden: ohne das große Engagement der VTH gäbe es heute keine (Sport-)Halle dieser Größe in Hagsfeld.

Unser in diesem Jahr das 120-jährige Jubiläum feiernde Verein kann mit Stolz und Genugtuung auf das in den letzten Jahrzehnten geschaffene Sportzentrum verweisen, benötigt aber nun dringend eine längere Konsolidierungsphase, sozusagen eine „Verschnaufpause“. Es bedarf jedoch intensiver gemeinsamer Anstrengungen der Verwaltung und aller Mitglieder, um das Geschaffene zu erhalten! Im Personalbereich, bei der Bereitschaft zur ehrenamtlichen Mitarbeit, sind künftig die größten Probleme zu bewältigen.

Die VTH wurde/wird seit Wiederbeginn nach dem 2. Weltkrieg durch folgende im Vereinsregister VR 100070 eingetragene Vorstände (n. § 26 BGB) geleitet

Zeitraum

Jahr

Vorsitzender

stv. Vorsitzender

stv. Vorsitzender

30.03.
bis 12.06.

1950
1953

 

Hermann Mitschele

 

Max Strenger

 

-

bis 25.03.

1959

Reinhold Schlimm

???

-

bis 04.03.

1964

Alwin Wurm

???

-

bis 13.08.

1965

Leonhard Kiener

Karl Schucker

-

bis 06.03.

1971

Edgar Ludwig

Emil Eisele jun.

-

ab 06.03.

1971

Günter Bausch

Gerhard Schork

Arno Schucker

ab 10.03.

1973

Günter Bausch

Herbert Wolf

Heinz Mitschele

ab 16.03.

1974

Günter Bausch

Herbert Wolf

Bernd G. Weber

ab 15.03.

1975

Günter Bausch

Bernd G. Weber

Jürgen Piontek

ab 05.05.

1979

Günter Bausch

Bernd G. Weber

Heinrich Sommer

ab 01.03.

1980

Bernd G. Weber

Heinrich Sommer

Hans Liebhart jun.

ab 14.03.

1981

Bernd G. Weber

Günter Bausch

Hans Liebhart jun.

ab

1983

Bernd G. Weber

Günter Bausch

N.N.

ab 12.03.

1988

Bernd G. Weber

Günter Bausch

Gerhard Schork

ab 06.05.

1994

Bernd G. Weber

Gerhard Schork
(bis 11/1994)

Karlheinz Ganz

ab 05.05.

1995

Bernd G. Weber

Karlheinz Ganz

N.N.

ab 25.04.

1997

Bernd G. Weber

Holger Hermann

N.N.

ab 23.04.

1999

Bernd G. Weber

Holger Hermann

Andreas Bellm

ab 23.04.

2010

Bernd G. Weber

Andreas Bellm

Hans Liebhart jun.
(bis zum Rücktritt Ende Mai 2013)

ab 01.06.

2013

Bernd G. Weber

Andreas Bellm

N. N.

ab 05.04.

2019

Bernd G. Weber

Andreas Bellm

Maxi Weber

Am 25. April 2008 wird auf der JHV Günter Bausch vom Vereinsvorsitzenden Bernd G. Weber in Würdigung seiner besonderen Verdienste zum „Ehrenvorstand“ ernannt. Günter Bausch verstarb am 31. Oktober 2013 im Alter von 76 Jahren.

Verfasser und redaktionelle Bearbeitung: Edgar Ludwig, Elfriede Krebs, Bernd G. Weber
In Teilen auf das aktuelle 120jährige Jubiläum angepasst. (bgw)